Geschichte – Technik – Anwendungen

Watt is ne Fotoapparat?
Dat is ne schwaaze Räumsche mit auf einer Seite ne Loch drinn wo dat Bild reinkommt un auffer
anneren Seite is so ein Jedöns, watt datt Bildschen festhalten tut.

Im Ernst: Die Fotografie ist ein Medium der Kommunikation; aufzeigen, bewahren, Menschen
faszinieren und erschüttern wie nichts sonst. (W. Koschatzky)

Die Elemente der Fotografie sind die Optik, die Mechanik, die Chemie bzw. die elektrische
Umsetzung, die Steuerungselektronik und schließlich die Bildgestaltung.

In diesem ersten Kapitel soll dem Leser klargemacht werden, wieviel an Denkarbeit nötig war,
um eine so komplexe Angelegenheit wie die der Fotografie mit all ihren physikalischen,
chemischen und elektrischen Eigenheiten zu entwickeln. Gestreift werden in diesem Kapitel
auch die begleitenden Entwicklungen in der Reproduktions- und Drucktechnik.

In Kapitel 2 werden die wichtigsten stilbildenden Fotografen und ihre Rolle als Transporteure von
Informationen und Kultur vorgestellt.

Die Technik moderner Kameras, die Studioausstattung und fotografisches Zubehör sind die
Themen von Kapitel 3.

Abschließend wird die Fotografie als wichtiges Mittel in der Werbung erläutert, speziell beim
Einsatz in der Werbetechnik, sowie ein Blick in die Zukunft gewagt.

1. Von der Camera Obscura bis zur Handycam –
Die technische Entwicklungsgeschichte der Fotografie

Die Anfänge der Fotografie reichen zurück bis Aristoteles (384-332 v.Chr.), der sich zur
Betrachtung einer Sonnenfinsternis einer Camera Obscura bedient und sich schon Gedanken
über die Eigenschaft der Blendenöffnung macht – eine kleinere Öffnung ergibt ein schärferes Bild.

Leonardo Da Vinci (1452-1519) liefert in seinem Codex atlanticus die erste Abbildung einer
Lochkamera. Er schreibt dazu: Ein so kleiner Raum vermag die Bilder des ganzen Weltalls zu
fassen.

Die ersten Fotos entstehen

Dieser Kameratyp erhält 1550 eine Art Linse durch Hieronymus Cardanus.

J. N. Niépce fertigt 1822 mit einer Camera Obscura die erste Heliographie an: das ist eine
direkte Kopie eines Kupferstichs, der mittels Sonnenlicht auf eine Asphaltschicht übertragen
wird. Ab dem Jahr 1825 verwendet er dann Kameras mit Sammellinse, in die er die erste
Irisblende einbaut. 1826 entsteht nach dem Einbau verbesserter Sammellinsen die erste
richtiggehende photographische Aufnahme: die Gebäude in Le Gras, dem Landsitz der Familie,
zeichnen sich nach 8 Stunden Belichtungszeit auf der dünnen Asphaltschicht ab. Im Jahr 1827
trifft sich Niépce mit L.J.M. Daguerre zwecks der Verbesserung der Kameratechnik.

J.N. Niépce - Blick aus dem Fenster in Le Gras, 1826

J.N. Niépce – Blick aus dem Fenster in Le Gras, 1826

L. J. M. Daguerre leitet in den Jahren 1831 bis 1837 entscheidende Fortschritte in die Wege:
der Einsatz von Jodsilber, die Quecksilberdampfentwicklung sowie die Fixierung mittels
Kochsalzlösung sind die Grundlagen für das Entstehen der bekannten Daguerrotypien.
Es handelt sich dabei um Metallplatten, auf denen das Bild zu erkennen ist; da keine Abzüge
davon erstellt werden können sind es ausschließlich Unikate. 1839 erhält er dafür eine
Patentschrift. In der Folge entsteht ein immenses Interesse an der zeitgleich entwickelten
Kamera mit einer periskopischen 1:10 Linse und einer Blende von 29 mm.

L. J. M. Daguerre - Boulevard in Paris, 1839

L. J. M. Daguerre – Boulevard in Paris, 1839

Im gleichen Jahr wird das Chromsilberbild von H. Bayard vorgestellt: es entstehen die
ersten Positivbilder.

H. Bayard - Paris Montmartre, 1842

H. Bayard – Paris Montmartre, 1842

Durch die Verbesserung des Linsensystems durch den Österreicher J. von Petzval im Jahr 1840
wird eine zwanzigfache Lichtstärke erreicht, der Zusatz von Chlor auf die Jodschicht durch A.
Claudet im Jahr darauf verringert die nötige Belichtungszeit auf ein Drittel.

Im Jahr 1841 legt F. Talbot mit seiner Kalotypie genannten Technik den Grundstein für die
Vervielfältigung von Fotografien. Er macht durch den Einsatz von Wachspapier die Negative
transparent, so können davon positive Kopien auf Silberchloridpapier gemacht werden.

Nachteilig dabei ist die gegenüber der Daguerrotypie geringere Umsetzung der Halbtöne
und Feinheiten.

F. Talbot - Frankfurt am Main, 1846

F. Talbot – Frankfurt am Main, 1846

 

Die Weiterentwicklung der Fotografie 1840 – 1895

Um 1840 entwickeln J. Berres und A. Donné voneinander unabhängig die Grundlagen für die
direkte Reproduktion von Fotografien mittels des Tiefdruckverfahrens. Dabei setzen sie mit
Salzsäure behandelte Silberplatten ein, die sie mit flüssiger Gummilösung überziehen. Die Ätzung
findet wiederum mit Salzsäure statt.

1847 setzt C. A. Niépce als Bindemittel und Sensibilisator Eiweiß ein; die Folge ist eine
verbesserte Sensibilität der Emulsion sowie ein einfacheres Handling der photographischen
Platten.

Der erste Einsatz des Kollodiums, eines Vorläufers moderner Kunststoffe im Jahr 1851, geht auf
die Arbeiten von C. F. Schönbein zurück. Aus Nitrozellulose und Ätheralkohol kann man flexible,
durchsichtige „Film“-Trägermaterialien herstellen. Der Brite S. Archer bringt auf dieses Material
Silbernitrat auf, welches er mit der Verwendung von Jod und Bromkalium jodiert. Dies hat eine
Steigerung der Lichtempfindlichkeit sowie eine Verringerung der Gefahren durch giftige
Substanzen und Dämpfe zur Folge.

Durch die Kombination von einer Chromgelatineschicht in Verbindung mit einem Gazestoff als
erstem Mittel der Rasterung legt F. Talbot im Jahre 1852 den Grundstein moderner
Reproduktionstechnik. Um ein fotografisches Werk im Druck vervielfältigen zu können ist es
notwendig, die unterschiedlichen Helligkeitsstufen durch den Einsatz von Rasterfolien (Korn-,
Punkt- oder Linienraster) in einzelne, verschieden große schwarze Punkte zu zerlegen.

1854 ist das Jahr der Entwicklung der Photogalvanographie durch P. Pretsch; sie ermöglicht die
Erstellung der ersten Tiefdruck-Galvanos, unter anderem mittels Elektrolyse, eines Abbildes auf
einer Kupferplatte. L. Poitevins Lichtdruckverfahren aus dem Jahr 1856 entsteht aus den
Vorarbeiten von Pretsch und vielen anderen. Es lässt zwar nur wenige Abdrucke zu, ist aber
bahnbrechend wegen der neuen Technik, die es erlaubt, photografische Negative durch
Lithographie auf eine druckfähige Platte zu übertragen.

1861 entwickelt J. C. Maxwell die physikalische Theorie der additiven und subtraktiven
Farbmischung; darin liegt die Grundlage für die Farbfotografie.

1864 entstehen die sog. Woodburytypien, die die ersten haltbaren Bilder ermöglichen.

Die sogenannte Albertypie, entwickelt von J. Albert im Jahr 1868, ist ein Höhepunkt in der
Geschichte der Reproduktionstechnik: mittels eines komplexen Verfahrens (es entsteht ein
sogenanntes Runzelkorn) ist es nun möglich, durch den Einsatz verschiedener Farbfilter alle
nur denkbaren Farbtöne zu drucken.

L. D. du Hauron gelingt es, ebenfalls im Jahr 1868, durch den Einsatz von Rot-, Grün- und
Blaufiltern die ersten Farbaufnahmen zu machen.

1871 sorgt die Erfindung der Trockenplatten von R. C. Maddox für wesentlich mehr Komfort beim
Fotografieren als es bei den bislang benutzten Nassplatten der Fall war.

1881 gründet G. Eastman den Vorläufer der Firma Eastman Kodak.

G. Meisenbachs Einsatz von eigens angefertigten Rasterfolien 1882 ist die Fortsetzung der
Technik Talbots aus dem Jahr 1852. Nun können detailgetreue Klischees für den Hoch-, Tief- und
Flachdruck hergestellt werden, eine Methode, die auch heutzutage noch zum Einsatz kommt.

1883 wird der Schlitzverschluss von O. Anschütz vorgestellt; er ermöglicht Belichtungszeiten
von 1/1000 Sekunde.

H. W. Goodwin entwickelt den Rollfilm 1887, aus dem 1889 der erste kommerzielle Zelluloidfilm
von G. Eastman entsteht.

Die Kodak-Box (Kodak Nr. 1), eine billige Kompakt-Kamera, kommt im Jahr 1888 auf den Markt.
Das Motto ist: „Sie drücken den Knopf, wir machen den Rest.“

Ab dem Jahr 1890 erscheinen die ersten Halbton-Fotografien von Prominenten in Zeitungen und
Zeitschriften.

1895 fertigt W. Röntgen die erste Skelettaufnahme mittels Röntgenstrahlen an.

Ebenfalls 1895 veranstalten die Gebrüder Lumiere die erste Filmvorführung gegen Eintrittsgeld.

Auch auf das Jahr 1895 fällt die Einführung der Pocket Kodak; es ist die erste Schnappschusskamera,
die in Serie gefertigt wird.

Fotokameras für den Massenmarkt

Im Jahr 1900 kommt die Brownie von Eastman auf den Markt. Sie ist so preiswert, dass sie sich
dem Massenmarkt erschließt (weitere Informationen).

Die Gebrüder Lumiere sind 1907 die Urheber des Autochrom-Verfahrens: es ist das erste
kommerziell verwertbare Farbfoto-Verfahren.

O. Barnack wird bekannt als Erfinder des 35 mm-Films im Jahr 1909.

Die erste Leica entsteht 1914; sie wird 1923 von O. Barnack zur ersten Kleinbildkamera der Welt
weiterentwickelt.

Ab dem Jahr 1930 wird das Blitzlicht eingesetzt.

Im Jahr 1933 beginnt die Firma Ihagee aus Dresden mit der Entwicklung der Spiegelreflexkamera
für das Kleinbildformat.

Die Firmen Agfa und Kodak führen zeitgleich im Jahr 1935 den kommerziellen Farbfilm ein.

A. Adams entwickelt 1939 zusammen mit F. S. Archer das sogenannte Zonensystem, das eine
wesentliche Verbesserung im Bereich der Kontrastwiedergabe ermöglicht.

1942 bringt die Firma Kodak mit dem Kodacolor den ersten Farbnegativfilm heraus.

Auf das Jahr 1945 fällt die Entwicklung des Dye-Transfer-Verfahrens, ebenfalls durch die Firma
Kodak. Kennzeichen dieser Technologie sind optisch überzeugende, archivfeste Papierbilder mit
intensiver Farbreproduktion.

1946 ist das Jahr der Einführung des Ektachrome; der erste Farbfilm, der die Möglichkeit der
Entwicklung zuhause bietet, ist erneut der Firma Kodak zu verdanken.

1948 kommt die Hasselblad auf den Markt. Die Mittelformatkamera ist lange Zeit beliebteste
Kamera für Modefotografen.

1954 erhält die Leica einen kombinierten Mess-Sucher und bietet durch die Verwendung von
Bajonettverschlüssen die Möglichkeit des einhändigen Objektivwechsels.

Nikon führt 1959 die F 3 ein, eine Profikamera, die hauptsächlich von Reportern eingesetzt
werden wird.

1963 wird der Massenmarkt für die Farbfotografie durch die Kodak Instamatic erschlossen.

Cibachrome setzt im gleichen Jahr neue Massstäbe im Bereich der Farbfoto-Papiere.

Gleichfalls 1963 ermöglicht Polaroid mit ihrem neuen Verfahren Farbabzüge auf Papier, die sich
selbsttätig sofort entwickeln.

Ein neues Verhältnis der Bevölkerung zu farbigen Abbildern entsteht 1965 in den USA durch ein
nahezu durchgängiges Fernsehprogramm in Farbe.

Die Bell Laboratories entwickeln 1970 den ersten CCD-Chip; die kommerzielle Variante davon
bringt Fairchild Imaging im Jahr 1973 heraus. Die Auflösung von 0,01 Megapixeln, das bedeutet
ein Raster von 100 x 100 Pixeln, ist aus heutiger Sicht etwas bescheiden zu nennen.

Von Polaroid bis Google Glass

Polaroid stellt 1972 die Sofortbildkamera SX70 vor, die direkte Positivbilder ohne Einsatz eines
Negativs ermöglicht.

1981 kommt mit der Quantel Paintbox eine Kombination aus Hard- und Software auf den Markt,
die eine umfangreiche elektronische Bildbearbeitung ermöglicht.

Im Jahr 1990 wird die Version 1 von Adobe Photoshop verkauft.

1991 erscheint die Kodak DCS 100, die erste digitale Spiegelreflexkamera weltweit.

Die Kodak Photo CD, die im Jahr 1992 eingeführt wird, liefert dem Kunden digitale Daten von
seinem analogen Filmmaterial.

Nikon stellt im Jahr 1996 die Coolpix 100 vor: die mit einer PCMCIA-Karte ausgerüstete Kamera
lässt sich direkt an den Laptop anschließen.

Ab dem Jahr 2005 werden immer mehr digitale Kameras in Mobiltelefonen verbaut.
2010 ermöglicht die Fujifilm Finepix Real 3D W3 auch Privatpersonen die Erstellung von
3D-Fotos und -Videos.

Lichtfeldkameras, die um das Jahr 2010 vorgestellt werden, berechnen durch den Einsatz
einer komplexen Linsenstruktur das vierdimensionale Lichtfeld eines Motivs: so bietet sich unter
anderem die Möglichkeit zur nachträglichen Schärfeeinstellung.

Google Glass ermöglicht dem Anwender, Umgebungsdaten bezüglich Standort, Sehenswürdigkeiten
etc. zu nutzen. Markteinführung soll im Jahr 2014 sein.

Quellen:

Walter Koschatzky: Die Kunst der Fotografie (dtv)
Carlo Delle Cese: Alles über Fotografie (Lingen)
Juliet Hacking: Fotografie – Die ganze Geschichte (Dumont)
Reinhold Mißelbeck: Prestel-Lexikon der Fotografen (Prestel)
John Szarkowski: Ansel Adams at 100 (Zweitausendeins)
Andreas Feininger: Die Hohe Schule der Fotografie (Heyne)
Martin Schwabe: Canon EOS 500D (Markt & Technik)
Michael Freeman: Alles über Digitalfotografie (Evergreen)
wikipedia